Innviertler Künstlergilde

Multiple

Details:

Veranstalter: Innviertler Künstlergilde (IKG)
Ort: Stadttorturm Braunau, Salzburger Vorstadt, 5280 Braunau
Beteiligte KünstlerInnen:Martin Dickinger, Vorchdorf (als Gast der IKG)
Rolf Laven, Wien (IKG)
Heidi Zenz, Eggelsberg (IKG)
Kuratorin: Hanna Kirmann
Öffnungszeiten: jeden Sonntag von 14 bis 18 Uhr zusätzlich am Sa, 6. 4. von 14 bis 18 Uhr
Zusatztermine: 7. April, 15 Uhr: Kuratorinnenführung mit Hanna Kirmann
14. April, 14 Uhr: Künstlerinnengespräch mit Heidi Zenz
12. Mai, 14 Uhr: Künstlergespräch mit Martin Dickinger
Eintritt: frei

Ausstellungsdauer

6. 4. bis 12. 5. 2024

Vernissage: Freitag, 5. 4. 2024, 19 Uhr

Beschreibung:

Nach der Winterpause startet die Innviertler Künstlergilde am 5. April im Stadttorturm Braunau ins neue Vereinsjahr. Unter dem Titel „Multiple“ zeigt Kuratorin Hanna Kirmann drei zeitgenössische Positionen, die sich allesamt dem Prinzip der Vervielfachung bedienen. Die teils raumfüllenden Installationen bewegen sich zwischen Wunderkammer, akribisch angeordneter Sammlung und Halde. Dabei reicht das künstlerische Spektrum vom reinen Sammeln und Kontextualisieren über Be- sowie Überarbeitung und Abformung bis hin zum frei gestalteten Objekt – mit oder ohne Anlehnung an natürliche Vorbilder oder Bezüge zu Dingen der Alltagswelt.

Martin Dickinger, geboren 1959 in Wels, lebt und arbeitet in Vorchdorf. Als Bildhauer bewegt er sich im Spannungsfeld zwischen Material, Form und Hülle. Seine „Halden“ sind riesige Anhäufungen von in mühevoller Handarbeit aus Papiermaché abgeformten oder überformten Fundstücken und Alltagsgegenständen. Die Neutralisierung der äußeren Hülle lenkt unseren Blick einerseits auf die Schönheit der Form selbst und sensibiliert den Betrachter für diese ganz spezielle Form ästhetischen Empfindens. Andererseits umfängt uns eine stille Tristesse. Manchmal sind es jene Assoziationen, die wir mit den Dingen selbst oder ihrer Anordnung verknüpfen; dann ist es wieder diese Auflösung, das Untergehen in der Masse, die Erkenntnis der Bedeutungslosigkeit des Einzelnen – eine Emotion, die auch durch den Kontrast zwischen Anmutung und realem Gewicht des Materials unterstützt wird.

Rolf Laven, geboren 1966 in Jülich (D), lebt und arbeitet in Wien als Bildhauer und Hochschulprofessor für Kunstdidaktik, erkundet das künstlerische Terrain durch einen partizipativen Ansatz. Das Wiegen und die Bedeutung des Gewichts werden zu zentralen Themen seiner Arbeit. Dieser Ansatz beinhaltet nicht nur die physische Sammlung von Waagen, sondern bindet das Publikum auch in einen Dialog über Gewicht, Messung und vielleicht über die gesellschaftlichen und persönlichen Implikationen dieser Konzepte ein. Indem er das partizipative Element einbezieht, verwandelt Laven den Akt des Wiegens von einer privaten, oft einsamen Tätigkeit in eine geteilte, gemeinschaftliche Erfahrung und lädt somit zur Reflexion über die breiteren Bedeutungen von Gewicht und Wert sowohl im persönlichen als auch im gesellschaftlichen Kontext ein.

Heidi Zenz, seit 1980 im Bereich der Prozesskunst tätig, lebt und arbeitet in Eggelsberg, unweit des Ibmer Moores, das ihr Leben und Werk seit Kindertagen prägt. Erst auf den zweiten Blick erschließt sich beim Betrachten der Werke von Heidi Zenz um welche Strukturen es sich handelt. Es ist das unergründliche Regelsystem der Borkenkäferspuren auf den Baumstämmen und Frottagen, die eine poetische Komposition ergeben und dem tragischen Waldsterben eine gewisse Ästhetik abgewinnen. Jedes ihrer Werke ist das unikate Endprodukt eines intensiven Dialoges aus haptischen Berührungen zwischen der Künstlerin und ihrem Material. Im faszinierenden Wechselspiel aus Materialbestimmtheit und kontrolliertem Zufall, gelingt Heidi Zenz die Symbiose aus Kunst und Natur. Das natürliche Chaos wird zum künstlerischen Kosmos.